If Rosanjin were 
alive today...

l. Trotz aller technischen Errungenschaften und Fortschritte ist heutzutage die Kultur des Speisens – die eigentliche Basis der menschlichen Zivilisation – weltweit in eine Krise geraten. Angesichts dieses zunehmenden Verfalls von Lebensqualität könnten wir uns an Japan orientieren, wo auf die Zusammenhänge von Essen, Kreieren von Nahrungsprodukten und geistig-seelischer Vermittlung von Speisen seit Jahrhunderten grosser Wert gelegt wird.

Die Essenz von einerseits Nahrungsmittelanbau und andererseits Speise und Lebenskultur haben Japaner seit alters sehr ernst genommen; man könnte sie mit den drei Begriffen „Gute Materialien, verantwortlicher Umgang mit den Matrialien und Hingebung in Verarbeitung und Präsentation“ beschreiben. Diese Dreiheit von – einfacher gesagt – „Objekt, Aktion und Geist“ zu entwickeln und stetig zu verbessern, hat sich als Prozess in der japanischen Seele seit zweitausend Jahren festgeschrieben.
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Mit einem Blick zurück auf die Lebenskultur im Alten Japan könnten wir vieles in unserer heutigen Lebensführung verbessern – nicht im Sinne einer Rekonstruktion oder Imitation des Alten, sondern als Suche nach Anstössen, wie wir unser Leben heute reicher gestalten könnten

Das ist unsere Vision

WUnsere Vision ist, dass wir konkret versuchen die Grundlagen von Japans Lebenskultur in längst vergangenen Zeiten neu entdecken. Wir konzentrieren uns dabei nicht nur auf historische Objekte, sondern vor allem auch auf das Weiterreichen. von Wissen, Ideen und Handwerk durch viele Generationen. Damit können wir den Schlüssel zu einer gehaltvollen Revitalisierung unserer heutigen Lebenskultur finden.

Besonders durch Studien und Förderung der regionalen Kulturen, abseits der grossen Städte, können wir in Japan eine Antwort finden, was denn wirklich die Konfiguration von Kultur, Kunst und Speise heute meint.

Der geniale Kulturaktivist Kitaoji Rosanjin (1883-1959) reiste im frühen 20.Jh. durch ganz Japan und studierte lokale Traditionen von Speisen, deren Herstellung und Präsentation. Er hatte dabei aber nicht einen historischen, sondern einen schöpferischen Umgang mit dem Vorgefundenen, denn sein Ziel war letztlich, Neues zu kreieren

Rosanjin wählte aus, bewertete, kritisierte – d.h. er begegnete Traditionen wie wenn sie Lehm wären, aus dem man Dinge unterschiedlichster Art formen kann. Er kochte, töpferte, schrieb und malte – Rosanjin, der vor 50 Jahren gestorben ist, ist der Pionier unserer modernen japanischen Kultur und im speziellen der Esskultur, die als „washoku“ (wörtlich: „Japanisches Essen“) seit 2013 ein UNESCO-Weltkulturerbe ist.

Within everyday life, food;
Within food, art;Within art, the everyday life.To Rosanjin, these three were intricately linked in an organic cycle of man and life.

Der ROSANJIN CLUB

Den Kern von Rosanjins Esskultur erkennt man in seinem häufig wiederholten Satz: “Das Gefäß ist der Kimono der Speise“. Dieser Satz verweist auf seine Verbundenheit mit der traditionsreichen Kimono-Kultur vom Nishijin-Textilquartier in Kyoto. Hier wurde die Marke „ Kimono Rosanjin“ kreiert.
Der Rosanjin Club wurde in Zusammenarbeit mit dem Kimono Künstler Matsuoka Yoshiro gegründet und arbeitet zusammen mit Nishijin Sponsoren von Japan aus nach Übersee.

Rosanjin gelangte 1954 zum ersten Mal ins Ausland mit einer Einladung der Rockefeller Foundation, um im Museum of Modern Art in New York eine Ausstellung zu machen. Es folgten andere gesponserte Ausstellungen in Amerika und dann in Europa. Später bedankte sich Rosanjin bei den Rockefellers mit einer riesigen Sammlung seiner Werke
In den Fußstapfen von Rosanjin schenkte auch die Firma “Kimono Rosanjin” als Zeichen der Dankbarkeit der Rockefeller Stiftung viele kostbare Textilien im Kimono-Rosanjin-Design und dazu – gleichsam symbolisch – einen “Noren” (traditioneller Vorhang vor Geschäfts-Eingangstüren).

Heute besitzt die Marke “Kimono Rosanjin” die kulturelle Unterstützung der “Rockefeller Foundation NY – Japan Society NY/JICA” für Ausstellungen und Förderungen.

FOOD It's not about eating tasty things but eating with a sense of taste

Die folgenden Worte von Rosanjin, berühmt für sein Image des Feinschmeckers, enthüllen seine Idee des “Essens mit Geschmack”.

"Es geht nicht darum, exquisite Sachen zu essen, sondern Speisen mit Geschmack zu sich zu nehmen.;

Aus seinen späten Jahren ist folgender Spruch überliefert:

Alles Essen verbindet uns mit Gott – das Schönste ist, gemeinsam zu speisen.

Wenn wir von Rosanjins Idee der Nahrungsaufnahme als Lebensbasis ausgehen wollen, dann müssen wir uns auf verschiedene Komponenten des Essens konzentrieren, um zu erkennen, was “mit Geschmack Speise zu sich nehmen” bedeuten soll.

An erster Stelle stehen in Japan die guten Nahrungsmittel und Zutaten wie Wasser, Salz und Soja-Sauce als “die Dinge, die gut für die Menschen sind”. Wenn wir in der japanischen Sprache das Schriftzeichen für “Essen” analysieren, sehen wir, dass es aus den Bestandteilen “Mensch” und ”gut” zusammengesetzt ist.

“Essen”: 食  ⇒  “Mensch”: 人 “gut”: 良

Es ist jetzt also unsere Hauptaufgabe, jene Elemente und Umstände zu suchen, die uns die guten Basisprodukte für Speisen erreichbar machen. Damit wird es möglich, der Bedeutung des Schriftzeichens für Essen – „das was gut ist für den Menschen“ – gerecht zu werden

Für Rosanjin bedeutete “mit Geschmack essen” nicht etwas, was man alleine macht. Für ihn war “Essen mit Stil und Geschmack” eine Sache der Gemeinschaft, man soll zusammen mit der Familie essen, mit Freunden, man soll mit Bekannten und mit Fremden am selben Tisch sitzen.

Eine wichtige Idee des ROSANJIN CLUB ist die Suche nach Orten und Situationen, in denen wir mit Stil und Geschmack gemeinsam speisen können.

Als Repräsentanten von Rosanjin im angebrochenen Millenium beginnen wir mit jenem frugalen Gericht, das Rosanjin über alles liebte – mit der einfachsten Mahlzeit in einem japanischen Haushalt: einem rohen Ei auf gekochtem Reis. Die Kultivierung des Eis macht also den Anfang.

ART not 'art for the sake of art' but functional things for everyday life

Die Kunsttätigkeit von Ronsanjin war nicht auf Kalligrafie und Keramik beschränkt, sondern drang in viele andere Bereiche vor.

Die meisten Objekte, die er schuf, waren funktionell, für einen Gebrauch bestimmt. Sie waren Gegenstände fürs tägliche Leben – oder auch nur für ihn persönlich.

Wir können einen Gegenstand als Beispiel herausgreifen: das oben abgebildete Soja-Krüglein, das er bis zu seinem Ende benutzt hat (s. photo: Kondo Hiroki)

Es wurde – vielleicht während einer lebhaften Tafelrunde – beschädigt, doch dann wurde es sorgfältig repariert (was noch sichtbar ist). Daraus spricht Intimität und Atmosphäre; das hübsche Krüglein will nicht ein Kunstwerk sein, sondern ein ästhetisch erfreuliches Objekt, das mit Geschmack und Herz im Alltag benutzt wird.
Rosanjin gestaltete den Ausguss derart perfekt, dass es im Gebrauch nicht im geringsten tropft – nur ein Strahl im Bogen verlässt das Gefäss und schafft mit dieser Eleganz ästhetisches Vergnügen für alle Anwesenden der Runde…
Solche Perfektion im Kunsthandwerk hat nicht ihren Sinn in sich selber, sondern ist Ausdruck eines ästhetischem Lebensgefühls.

Vielleicht hätte Rosanjin gesagt…

„Das beste rohe Ei auf dem Reis mit der besten Soja-Sauce“
Das ist nicht eine Frage von Preis und berühmten Zutaten. Was es braucht, ist natürlicher Anbau und Ernte des Reises, artgerechte Tierhaltung für die Hühner, und eine von der Tradition vermittelte Lagerung der Soja-Sauce in Holzfässern. Danach folgt eine gewissenhafte Verarbeitung und Betreuung des Produkts bis hin zum Kunden.

Das Produkt darf nicht für sich alleine betrachtet werden, es steht in einem größeren Zusammenhang, und der muss auch stimmen. „Dies und nichts weniger“ hören wir Rosanjin lautstark rufen!

Wenn wir uns daran erinnern, dass Rosanjin sagte: “Das Essgefäß ist der Kimono der Frau“, dann können wir uns denken, dass für ihn Essen eine Art Erleuchtung war. Er muss beim Essen bewegt gewesen sein; er bewunderte die fast heilige Dreiheit bei der Aufnahme von Speise tief:
„Schale, Einnehmen der Speise und Freude am Essen“.
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Heutzutage ist die Dreiheit von Objekt, Handlung und Herz nicht nur wichtig fürs Essen oder fürs Produzieren von Nahrungsmitteln, sondern für das alltägliche Leben schlechthin.
n einem weiteren Sinn bedeutet es auch, Familienbande enger zu knüpfen, zwischenmenschliche Beziehungen im Allgemeinen zu fördern, eine positive Identität aufzubauen und unsere Bande mit unserem Land und seinen vielfältigen Regionen, von denen wir immer mehr entfremdet werden im heutigen Leben, zu neu zu überdenken

LIFE Living here and there all over Japan, adoring the foods of its lands, creating and recreating wherever he went, this was the Rosanjin way of life

Rosanjin war zwar Freund von Picasso und Miro und anderen Geistesgrössen, doch er stellte sich oft gegen Geschäftsleute, namhafte Künstler, berühmte Köche, und wichtige Leute in der Politik, denn er pflegte damit eine Ein-Mann-Revolution. Er trotzte dem Establishment überall auf der Welt und stiess mit seinem Gebaren und seiner Persönlichkeit immer wieder an; viele hielten ihn für exzentrisch. Und so war er berüchtigt für Kontroversen und Antipathien Es entsprach also durchaus seinem Charakter, dass er die höchste kulturelle Auszeichnung, die der japanische Staat zu vergeben hat, den Titel „Lebender Naionalschatz“, ausschlug.

Denkt man korrekt historisch, dann wird es schwierig, alle seine Ideen direkt in unsere Zeit zu übertragen. Ein Pionier der Esskultur in seiner Zeit muss heute neu interpretiert werden, nur damit kann man die Essenz seiner Philosophie zeitgerecht umsetzen.

Wir zielen auf eine Wiederentdeckung Japans hin, versuchen Kultur und Tradition in einem neuen Licht zu sehen. Beide wurden mit viel Verantwortungsgefühl von Generation zu Generation weiter gereicht und beide müssen heute neu gedacht und formuliert werden. Um dieses Erbe, aus der Geschichte gewonnen und in unsere Zeit, in unseren Alltag hereingetragen sinnvoll zu verwalten, werden wir uns immer wieder fragen: “Wenn Rosanjin noch lebte…“

Es werden Rezepte benutzt aus der Zeitschrift „Hoshigaoka“, die zur Zeit gegründet wurde, als Rosanjin in seinem Restaurant „Hoshigaoka Saryo“ Haute Cuisine offerierte.Doch da sagte ein berühmter Chef, der sich mit Rosanjins Cuisine beschäftigte folgendes:

Ein berühmter Chef, der sich wieder mit Rosanjins Cuisine beschäftigte, sagte:
“Wenn wir die Zutaten von Rosanjins Zeit benutzten, alle Ingredienzen auf dieselbe Weise wie damals verarbeiteten und dann solche Speisen heute Gästen vorsetzten, könnte das vielleicht eine Entäuschung sein…” Denn heute sind viele Naturalien verändert, haben einen andern Geschmack.

Doch dann fragen wir zurück: ”was würde wohl Rosanjin sagen, wenn er unsere heutige Umweltverschmutzung sähe, die Kontaminierung von Nahrungsmitteln und Landwirtschaftsprodukten, wenn er unsere Gesellschaft und unseren Lebensstil sähe…

Er würde nur brüllen: “Was ist denn eigentlich los mit euch!”